9. November 2009

Das Kreuz mit dem Kreuz

Posted in (Un-)Glauben, Gesellschaft um 00:12 von SarahAndrea Royce


KreuzFritzle, der nach lauter Fünfern und Sechsern in den Zeugnissen zweier Schulen zur allerletzten Chance auf ein katholisches Internat geschickt wurde und nach einem Jahr den Familienrat mit lauter Einsern und Zweiern überraschte. Nach einer Erklärung gefragt, gab er an, daß in den Klassenräumen überall ein gekreuzigte Mann an der Wand hängt und dann hat er sich gesagt: Fritzle, hier mußt Du richtig lernen, die fackeln nicht lange rum, die machen richtig Ernst….

Es ist noch gar nicht so lange her, da gab es in Deutschland den Kopftuchstreit. Darf eine Lehrerin muslimischen Glaubens ein Kopftuch im Unterricht tragen?

In der Türkei amüsierte man sich, Attatürks sekularer Staat forderte eine strikte Trennung von öffentlichen Institutionen. Nicht nur Lehrer dürfen sich nicht mit Glaubenssymbolen schmücken, auch den Schülern ist es untersagt.

Ich habe mich schon damals gefragt: „In fast jedem Klassenzimmer hängt ein Kruzifix, beruft man sich auf die Trennung von Glauben und und öffentlichem Amt, darf da auch kein Kreuz hängen?“. Aber so weit dachte man weder damals noch heute. Nachdem kürzlich der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entschied, das diese Aufzwängen einer Religion menschenrechtlichen Grundprinzipien widerspricht,  war das Geschrei quer durch Deutsche und Schweizer Medien groß.

Betrachtet man es einmal realistisch ist das Kreuz an der Wand ein weitaus größerer Verstoß gegen die sekulare Grundordnung. Ein staatliches Gebäude, dass eine Schule nun mal ist, kann nicht einen Glauben propagieren, in dem es sein Symbol aufhängt. Noch eher könnte man dem Lehrer zu gestehen eine Kreuzkette zu tragen, dem Juden den Kibbuz oder der muslimischen Lehrerin das Kopftuch, hier kann man noch von Persönlichkeitsrechten sprechen. Aber ein unverrückbares Glaubenszeichen an der Wand? Das ist definitiv ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Schüler.

Und bitte, wenn man es sich genau überlegt: Da hängt ein Mann kurz vorm Sterben an einem Folterinstrument, teilt man den christlichen Glauben nicht (und teils selbst wenn) ist das auch genau was man dort sieht. Fritzchen hat recht, das gute Stück dient zur Einschüchterung. Und es widerspricht auch noch einem der 10 Gebote  (Eigentlich zweien). „Du sollst dir kein Bildnis von mir machen“, was aber geschickt durch das erheben von Jesus in den Gotteststand im Christentum umgangen wurde, was aber Verstoß gegen ein weiteres Gebot ist „Du sollst keine Götter neben mir haben.“

Also runter mit dem Kreuzen und Freiheit für die Lernenden. Auch für die Christlichen

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1 Kommentar »

  1. Jepp! Schließlich soll die Schule wissen vermitteln – das ist so ziemlich das Gegenteil von Glauben.


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