3. März 2011

Empathie und Reverse Speech

Posted in Gesellschaft um 14:46 von SarahAndrea Royce


In den letzten Wochen habe ich mich aus verschiedenen Gründen intensiver mit dem Thema Empathie auseinander gesetzt. In verschiedenen Diskussionen ging es zum Beispiel darum, aus welchen Elementen Empathie besteht, ob bei schwächeren Instinkten abstrakt erlernte Gesichtsausdruckserkennung, wie bei “Lie to me”, auch zu Empathie gezählt wird und vieles mehr.

Ein paar spannende “Nebenschauplätze” möchte ich hier gerne einmal Vorstellen.

Der Erste ist die Serie “Lie to me”. Es geht um einen Anthropologen und Psychologen, der kulturübergreifende Emotionen studiert hat und nun sein Wissen als eine Art menschlicher Lügendetektor vermarktet. Eine seiner Angestellten gilt als Naturtalent, also eine Person, die eher Instinktiv sehr gut die Emotionen ihres Gegenübers einschätzen kann. Interessant ist, dass mir die Figur, Cal Lightman, erst einmal extrem Unsympathisch und vor allem sehr “kalt” vorkam. Das ständige, stets leicht überhebliche und triumphierende Entlarven von Gefühlen bei seinen Gesprächspartnern – er wirkte nicht wie jemand, mit dem man gerne mal “ein Bier trinken” möchte.
Kürzlich sah ich mir dann doch einmal die erste Staffel vollständig an und habe auch Appetit auf mehr bekommen. Und wie ich nun mal so bin, schaute ich auch auf die Wikipediaseite zur Serie. Dort erfuhr ich, dass die Figur auf einer realen Person basiert, Paul Ekman, der auch selbst an der Serie mitgewirkt hat. Er wird wegen seiner wissenschaftlichen Arbeit auch im Wikipediaartikel zu Empathie erwähnt. Wie Lightman ist er recht kommerziell interessiert wie man seiner Webseite entnehmen kann. Seine starke Beteiligung an der Serie ist dann sicher auch der Grund dafür, dass er ein Blog führt, in dem er “Lie to me” mit der wissenschaftlichen Realität vergleicht.

Ein interessantes Beispiel:
Lightman explains the tactic he has developed over the shows in the last season, which is to shake people up so they will forget to hide their emotions. The problem is that the emotions are probably a reaction to being shaken up not necessarily about whether or not they are lying. I take a completely different tack: establishing a confidential and accepting atmosphere with questions that invite people to tell their story. Once you get people talking they often say more than they intended to say. Our research found that the more words spoken the easier it was to detect lies.

Lightman erklärt die Taktik, die er über die Serie hinweg entwickelt hat in der letzten Staffel, die darin besteht, Leute aufzuwühlen so dass sie vergessen, ihre Emotionen zu verstecken. Das Problem ist, dass die Emotionen dann möglicherweise eine Reaktion auf das Aufwühlen sind und nicht notwendigerweise etwas damit zu tun haben, ob sie Lügen. Ich wähle eine ganz andere Taktik: Ich richte eine lockere und angenehme  Atmosphäre ein mit Fragen, die eine Person einladen, ihre Geschichte zu erzählen. Wenn die Leute erst einmal sprechen erzählen sie meist mehr, als sie vor hatten. Unsere Forschung fand heraus, dass je mehr Wörter gesprochen wurden, desto einfacher war es Lügen zu entdecken.

Das Zweite, das mir aufgefallen ist, ist das Empathie im instinktiven Sinn in den USA vielfach weniger Wissenschaftlich denn Esoterisch betrachtet wird.

Ich sehe da zwei Hintergründe. Noch immer stärkere patriarchale Strukturen und einen größeren Graben zwischen den Geschlechtern in USA, so dass eine Fähigkeit, die hauptsächlich Frauen in hohem Maße haben, nicht wirklich nachvollziehbar ist für die Mehrheit der Einflussreichen und natürlich spielt auch der  Nachhall der New Age Bewegung eine Rolle.

PS: Was da im Video gezeigt wird, bedingt neben einer starken Empathie auch noch die Eigenschaft Hochsensible Persönlichkeit (HSP) und während die genannten Dinge am Anfang noch belegbar sind, wird es gegen Ende (Heilen, Lügen immer detektieren) definitiv Esoterisch.

Und damit ist es auch eine gute Überleitung zu meinem dritten Thema, das auf den ersten Blick genauso Esoterisch wirkt:
Reverse Speech (Rückwärtige Sprache). Dabei geht es darum, das wir Menschen offensichtlich Gedankenfetzen rückwärts in unsere Sprache einbauen, die man durch rückwärtiges Anhören einer Aufnahme auch heraushören kann. Man nennt sie Reversale. Die Theorie kam bei Wissenschaftlern bislang nicht gut an, aber in Gegensatz zu anderen “Esoterischen” Themen kann man diese ja ganz einfach für sich überprüfen. Ich habe es gemacht und fand es faszinierend. Allerdings ist das schon eine ganze Weile her und ich kann da nur noch Anektoden liefern. Ganz deutlich war, dass es bei Menschen, die sich sehr aufs sprechen Konzentrieren, kaum bis gar keine Reversale gibt. Je aufgewühlter eine Person aber ist, desto mehr Reversale finden sich in der Sprache. Also greift hier die Lightman Methode eher als die von Ekman. Wenn ich anderen davon erzählte, waren sie meist Skeptisch und forderten Beweise, und ich nahm dann meist eine von ihnen vorgeschlagene Aufnahme und analysierte sie. Sehr zur Verblüffung der Herausforderer. Das geht im Grunde genommen schon mit dem “Audiorecorder” aus dem Windowszubehör, ich bevorzuge aber eine Soundstudiosoftware, mit der man auch die Tondatei etwas verlängern kann (dabei wird die Frequenz niedriger). Reversale sind etwas schneller als die gesprochene Sprache und einmal habe ich erlebt, dass eine Interviewpartnerin so viel Text unterbringen wollte, dass sie es nicht mehr schaffte. Der lange Satz blieb unbeendet.

Spannend war eine Analyse je einer Rede von Gerhard Schröder und Edmond Stoiber. Während ich bei ersterem nur viel darüber erfahren habe, wie er seine Außenwirkung steuert, er baut Sympathie zum Publikum auf, in dem er zum Beispiel autosuggestiv denkt: “Ich würde euch am liebsten zu einem Kaffee einladen” war Stoiber in seinen Reversalen (so nennt man diese Rückwärtssetze) genauso abgehakt und wirr, wie es seine Interviews nach Außen sind. Ein Reversal, ein einziges Wort, ist mir aber heute noch im Gedächtnis und ich bin froh, das Stoiber heute kein wichtiger Politiker mehr ist. Dieses Wort war: “Menschenjagd”.

Zwei andere besonders beeindruckende “Fälle” war einerseits die Presseerklärung eines Polizeichefs, in der es um einen Fahrerflüchtigen ging, der gerade ein Kind getötet hatte. Während vorwärts nur ein Satz gesprochen wurde, waren es Rückwärts gleich drei und darin waren auch mehr Informationen enthalten. Der Polizeichef war ganz offensichtlich sehr von der Sache betroffen. Der Andere betraf eigentlich nur ein einziges Reversal, ein einziges Wort. Was die Sache so beeindruckend machte, war, dass es vorwärts und Rückwärts abgespielt exakt das gleiche Wort war. Und nicht etwas sowas wie: “Lagerregal” oder ein phonetisches statt schriftliches Äquivalent. Das Wort war: “Kirche”. Drehen sie es in Gedanken mal um. Oder nehmen sie es schnell selbst auf und benutzen sie den “Audiorecorder” um es umzudrehen. Da kann eigentlich nichts auch rückwärts an Kirche erinnern.

Um es auf den Punkt zu bringen, ich selbst zweifle nicht an der Existenz der Reversale und hab das sogar gelegentlich eingesetzt, aber was ich viel spannender Finde, ist, dass unser Gehirn offensichtlich ganz selbstverständlich in der Lage ist, diese unbewusste Leistung zu erbringen. Aber gerade in Bezug auf Empathie und Lügen ergibt sich für mich auch eine spannende Frage:

Übersetzen wir es genauso unbewusst wieder zurück? Wissen wir viel mehr über unsere Gesprächspartner, als uns Bewusst ist?

Aber egal ob Ekman(/Lightman)-Methodik, natürliche Empathie oder Reversale, ohne Kontext kennen wir nicht die ganze Wahrheit. Seriencharakter Lightman betont das immer wieder, und der erste, der Reverse Speech professionell vermarktet, lehnte Beispielsweise einen potentiellen Investor ab, weil der in Reverse Speech sagte: “I’m so full of shit” (“Ich bin so voller Scheisse”). Dabei kann es ja einfach sein, dass er auf die Toilette musste?

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21 Kommentare »

  1. Beim Video wird mir leider nur angezeigt, dass es in meinem Land nicht verfügbar ist.

    Reverse Speech? Ehrlich? Da habe ich wohl tatsächlich die von dir angesprochene „Wissenschaftlermeinung“. könnte es nicht eher daran liegen, dass wir nur eine begrenzte Anzahl von Tönen haben und die mathematische Wahrscheinlichkeit, dass ein Wort rückwärts ein anderes Wort ergibt damit recht hoch ist, insbesondere wenn man Grenzen zwischen Wörtern ignoriert?
    Ich bezweifele zb, dass Obamahier etwas mit Satan sagen wollte

    • Das ist wohl eher sowas wie das hier:

      • @Sarahblogging

        Wie würdest du denn da die Abgrenzung machen? „Satan“ ist ja recht deutlich zu hören. ich nehme an, die Abgrenzung erfolgt nicht danach, ob einem die gefundene Botschaft gefällt oder nicht?

        Im übrigen macht das Video ja deutlich, wie unser Gehirn aus Lauten versucht einen Sinn zu erschaffen, insbesondere wenn es dabei durch eine Deutung unterstützt wird.
        Meiner Meinung nach greift der gleiche Effekt bei „Reverse Speech“.
        Zumindest müsste

    • Hier mal ein Beispiel aus einem Video einer Deutschen
      [audio src="http://studies.thruhere.net/Umfrage/HeyEveryone1.wav" /]
      [audio src="http://studies.thruhere.net/Umfrage/HeyEveryone2.wav" /]

      (Schön unverfänglich)

      • Hier ein längeres Stück aus dem ich das oben entnommen habe:
        [audio src="http://studies.thruhere.net/Umfrage/HeyEveryoneLong.wav" /]

        Man hört so deutlich den Unterschied zwischen „Rückwärts normal“ und Reversal. In dem kurzen Stück ist noch ein weiteres Reversal drin, ich verrate jetzt aber mal bewusst nicht, was, wann und wo.

  2. Man könnte das ganze ja testen, indem man einen Computer sinnlose Sätze erstellen lässt, die grammatikalisch korrekt sind und sie den höheren dann mit einem Zusatz, dass es sich um eine Rede Bushs/Merkel/Obamas handelt, die ein bestimmtes Thema behandelt. Anderen gibt man eine tatsächliche Rede, ebenfalls rückwärts.

    Dann prüft man, inwieweit sie reversals hören.In dem zufallstext dürften dann ja eigentlich keine auftauchen.
    Ich würde vermuten, dass trotzdem welche vorhanden sind und sie bei einer Angabe des Themas zu diesem passen bzw. bei Angabe der Sprache auch zu dieser.

    • Du hast nicht viel Erfahrung mit Spracherzeugung und Phonetik? Das ist nicht hinzubekommen.

      Wäre es übrigens purer Zufall, dann würde man nicht mehr Reversale bei freier Rede und am meisten bei aufgewühlten Personen finden. Bei einem Nachrichtensprecher dagegen kannst du dich normalerweise dumm und dämlich suchen und wirst nichts finden.

      Es gibt eine Studie zum Thema, die das auch bestätigt hat. Allerdings konnte ich nur eine Zusammenfassung finden und keinen Link zur Studie selbst.

      Im Grunde ist es ählich wie bei Ekmans Mikroausdrücken. Das Unterbewusstsein braucht ein Ventil. Ob das darin besteht, einen Gesichtsausruck nur für eine zehntelsekunde zu zeigen oder ob es darin besteht, das ganze Rückwärts in die Sprache einzubauen.

      Hör dir mal das oben genannte lange Stück an. Es ist wirklich dankbar, weil zwei deutliche Reversale darin vorkommen.

      • @sarahblogging

        Warum soll das nicht hinzubekommen sein? Die Regeln einer Sprache sind ja recht einfach und fast mathematisch und es muss ja keinen Sinn ergeben. Das wird dann von einem menschlichem Sprecher vorgelesen.

        Ein Nachrichtensprecher hat einen relativ monotonen und genauen Ton. Dadurch klingen die Worte getrennter. Das schneidet die Wortübergänge ab und vermindert damit die Kombinationsmöglichkeiten. Ich denke man könnte die Anzahl der „Reversals“ recht gut mit der Deutlichkeit des Sprechers in Verbindung bringen und dessen Tendenz, Worte zusammen zu ziehen. Da man bei freier Rede spontaner liest und auch nicht von einem Teleprompter oder dem Gedächtnis abliest ergibt sich natürlich auch eine geringere Deutlichkeit, gerade gegenüber einer einstudierten Rede.

        Auch hier könnte man einen Test machen, indem der gleiche Text einmal so vorgelesen wird als würde man ihn in freier rede vortragen und einmal im Nachrichtensprecherstil. Ich vermute, dass man bei der ersten Variante auch mehr Reversels hört.

        Nehmen wir aber mal an, dass die Theorie stimmt, dann müsste man in professionellen Reden, die von Textschreibern geschrieben werden, auch so etwas finden, wie „Gehaltserhöhung“ oder „Kinderkrankheit“ oder „Einkaufszettel“.

        Das das Unterbewußtsein diesen Umweg geht halte ich auch für sehr unwahrscheinlich. Die Botschaft war nahezu nicht zu entschlüsseln, solange es keine Tonaufzeichnungen gab. Gerade beim Freien Reden würde es das Gehirn zusätzlich belasten, diese recht komplizierten Klänge spontan einzubauen ohne einen Vorteil davon zu haben. Der Rechenaufwand dafür ist zudem recht enorm, wir können es noch nicht einmal bewusst machen.

      • > Das schneidet die Wortübergänge ab.

        Nein. Das. Tut. Es. Nicht.

        Im Ernst, das ist ein ganz grosses Problem von Spracherkennungssoftware. Keine Sprache macht wirklich deutliche Grenzen zwischen den Wörtern, auch nicht die eines Nachrichtensprechers. Sonst klingt das wie die 5 Worte oberhalb

        > Nehmen wir aber mal an, dass die Theorie stimmt, dann müsste man in professionellen Reden, die von Textschreibern geschrieben werden, auch so etwas finden, wie „Gehaltserhöhung“ oder „Kinderkrankheit“ oder „Einkaufszettel“.

        Wie meinst du das? Im geschriebenen Text? Das funktioniert nur mit Sprache. Die Angesprochene von Schröder war ja auch ganz gut vorbereitet, und da kam dann „Ich würde euch am liebsten zum Kaffe einladen“. Es stand zwar nicht im Bezug zum gesprochenen Text, aber zur Situation.

        Schade, dass ich die alten Sounddateien nicht mehr habe.

      • Es wäre Praktisch, wenn man Schröder in Bezug auf die durch die Reverse Speech gewonnene Erkenntnis einfach fragen könnte, aber das ist denk ich nicht so leicht. Oder gehört er zufällig zu deinem Kollegenkreis?

      • „Nein. Das. Tut. Es. Nicht.“

        Es reicht ja, wenn die Pausen deutlicher sind. Sie müssen dadurch nicht roboterhaft wirken. Aber sachliche Texte werden üblicherweise sehr ruhig, langsam und betont gesprochen. Das macht einen Teil der Sachlichkeit aus und verleiht zudem eine gewisse Autorität.

        „Im Ernst, das ist ein ganz grosses Problem von Spracherkennungssoftware. Keine Sprache macht wirklich deutliche Grenzen zwischen den Wörtern, auch nicht die eines Nachrichtensprechers. Sonst klingt das wie die 5 Worte oberhalb“

        Ich sage ja nicht, dass man regelrechte Pausen macht. Nachrichtensprecher reden aber deutlicher und langsamer als Leute in freier Rede. Dadurch werden die Worte allgemein stärker von einander abgegrenzt. Gerade weil wir gelernt haben/wissen, dass diese kurzen Pausen Worte abgrenzen sind wir in diesem Punkt natürlich auch sehr sensibel. Wird die Lücke zwischen den Worten etwas größer können wir daraus kein neues Wort basteln.

        Insofern wäre eine Studie interessant aus welchen Teilfragmenten sich die gehörten „Reversals“ zusammensetzen. Sind es eher Teile von mehrern Wörten, dann muss eine undeutlichere, vewaschenere Aussprache den Anteil der „Reversels“ wenn sie echt sind gleich lassen, sonst wäre ein Zusammenhang mit der undeutlicheren Aussprache naheliegend.

        „Wie meinst du das? Im geschriebenen Text? Das funktioniert nur mit Sprache.“

        ich meine, dass sich dann das Unterbewußtsein der Redenschreibers ja einen Weg suchen müsste und der würde vielleicht einfach gerne eine Gehaltserhöhung haben oder daran denken, dass der Wahlkampf bald vorbei ist oder eben, dass sein Kind krank ist.

        „Die Angesprochene von Schröder war ja auch ganz gut vorbereitet, und da kam dann „Ich würde euch am liebsten zum Kaffe einladen“. Es stand zwar nicht im Bezug zum gesprochenen Text, aber zur Situation.“

        Ich kann mir vorstellen, dass Schröder ein guter Kandidat war. Er sprach ja immer etwas verzogen.

      • > Das das Unterbewußtsein diesen Umweg geht halte ich auch für sehr unwahrscheinlich. Die Botschaft war nahezu nicht zu entschlüsseln, solange es keine Tonaufzeichnungen gab

        Nicht, wenn sie genauso unterbewusst wieder entschlüsselt werden beim Empfänger.

      • > ich meine, dass sich dann das Unterbewußtsein der Redenschreibers ja einen Weg suchen müsste

        Das funktioniert so nicht. Wenn du „Lagerregal“ sagst, und das Rückwärts abspielst, kommt nicht wieder „Lagerregal“ dabei heraus. Phonetisch Reversale in einem Text unterzubringen ist nicht du die Vorgabe des Textes selbst möglich.

        Ich brachte ja das Beispiel mit „Kirche“ Da ist ein Krachlaut am Beginn und ein gleichförmiger Ton am Ende. Oder wenn du dir das Beispiel aus dem anderen Kommentar anhörst. Everybody steht bei beiden Texten jeweils am Ende, also umgekehrt am Anfang. Aus dem Text selbst ergibt sich das nicht.

        Das macht die Sache ja so faszinierend. Es ist nicht so einfach wegzuerklären.

        Hier wird es näher erleutert:
        http://www.psychophysik.com/html/re-0930-rs-intro.html
        „2. Wird Rückwärtssprache durch technische Manipulation erzeugt, so unterscheidet sie sich von echter Rückwärtssprache dadurch, dass sie im Falle des „Backward Maskings“ nur in eine Richtung sinnvolle Botschaften ergibt (und in die andere Richtung sinnloses Kauder- welsch) oder im Falle des Hineinkopierens von Störgeräuschen und bei phonetischer Angleichung so undeutlich wird, dass eine klare und eindeutige Botschaft nicht mehr erkennbar ist. Dies bestätigt auch Stefan Bion, Mitglied des Vereins für Transkommunikations-Forschung e.V.. Eine von Bion durch Hineinkopieren von Störgeräuschen und phonetische Angleichung manipulativ erzeugte Tondatei ist so un- deutlich, dass sie einen Interpretationsspielraum enthält. In Bions Beispiel lässt sich sowohl der Satz „haben dolige Menschen“ als auch der Satz „haben nie so geplätschert“ hören. Echte Rückwärtssprache verfügt im Gegensatz dazu über eine Bandbreite unterschiedlicher Qualitätsstufen, von denen die höchste Stufe über eine so hohe Qualität verfügt, wie sie durch Hineinkopieren von Störgeräuschen und phonetische Angleichung niemals erreicht wird.“

      • @Sarahblogging

        „Das funktioniert so nicht. Wenn du „Lagerregal“ sagst, und das Rückwärts abspielst, kommt nicht wieder „Lagerregal“ dabei heraus.“

        Das man das Wort nicht einfach umdreht ist klar. Aber es setzt sich ja notgedrungen aus den Lauten des anderen Worts zusammen.
        Die These ist doch, dass das Unterbewußtsein des Redners sagt, was es eigentlich denkt. Wenn das Redenschreiben ein Job ist, dann müssten sich in der Rede doch die unterbewußten Gedanken des Redenschreibers finden, die dessen Unterbewußtsein in der Rede unterbringt.

        „Das macht die Sache ja so faszinierend. Es ist nicht so einfach wegzuerklären.“

        Klar. Mit dem Kombinieren benachbarter Laute, Zufall und Pareidolie..

        Unser Gehirn ist eben darauf ausgelegt, sinnvolle Worte zu erkennen und eine Autokorrektur vorzunehmen. Weswegen „Reverse Speech“ auch am besten funktioniert, wenn man weiß, was man hören soll.

        Interessieren würde mich: Wie überzeugt bist du davon? Siehst du die Möglichkeit, dass es auch falsch sein könnte. Es ist ja eine sehr umstrittene Theorie, die sich auf keinerlei Studien stützen kann.

      • > Wenn das Redenschreiben ein Job ist, dann müssten sich in der Rede doch die unterbewußten Gedanken des Redenschreibers finden, die dessen Unterbewußtsein in der Rede unterbringt.

        Nein, genau das funktioniert eben nicht. In dem verlinkten Artikel wird ja recht ausführlich darauf eingegangen.

        Worauf du wiederum nicht eingehst, ist die Tatsache, dass die Reversale ziemlich klar herausstechen, eben weil ja ein nicht ganz unwesentlicher Teil „Gibberish“ ist, mit diesem, Whupp, Whupp Schema, dass dadurch kommt, das der Wortanfang meist lauter und schärfer als der Rest des Wortes gesprochen wird.

        Also ein wenig befassen solltest du dich schon damit, bevor du es rundheraus ablehnst. Und wie gesagt, mindestens eine Studie gibt es. Danach hat man zwar ihre Existenz nicht mehr geleugnet, bzw leugnen können, aber misstraut ihrer Bedeutung.

        Wenn es nur Interpretationssache wäre, dann kämen auch bei Geschauspielten Szenen viele Reversale heraus. Das ist aber nicht der Fall.

        Auch entspricht das gefundene nicht den Erwartungen. Zum Beispiel wusste ich, dass die Person, deren Text ich oben benutzt habe, native Deutsche ist und war überrascht, dass die Reversale (fast alle) in Englisch sind, genauso bei einem Interview, dass ich gerade Transskripiere (vorwärts) und bei dem ich eigentlich Hochdeutsche Reversale erwartet habe und teils mit feinstem, fehlerfreiem Schwyzerdütsch konfrontiert wurde. Die Person ist wohl schon recht lange in der Schweiz.

        Ich habe mir sowieso angewöhnt, erst nach den Reversalen zu suchen, bevor ich mir den Text „richtig“ anhöre, und erst im Kontext mit dem normalen, vorwärtsgesprochenem Text ergibt so manches einen Sinn.

        Bei einem in besagtem Interview war ich regelrecht Baff. „Ham sie das geschnallt!“. Erst dann hab ich einen grösseren Teil drumrum vorwärts angehört. Tatsächlich kam vorwärts die makulintypisch, gerade noch halbwegs höfliche Variante: „Das ist so!“ Nicht genau auf dem Reversal, das Bestand vorwärts aber interessanterweise auch nur aus einem einzigen Wort. Und Rückwärts liegt ein ganzer Satz darin.

      • @sarahblogging

        „Nein, genau das funktioniert eben nicht. In dem verlinkten Artikel wird ja recht ausführlich darauf eingegangen.“

        Wie soll das denn verhindert werden? Da das Wort in der richtig rum richtig klingt und einen Sinn ergibt muss es ja möglich sein, dass so etwas zufällig entsteht, einfach weil diese Sätze auf eine bestimmte Weise ausgesprochen denkbar sind. Du kannst nicht ausschließen, dass sie jemand genau auf diese Weise sagt, wenn du nicht feststellen würdest, dass eine bewusste Veränderung im vorwärtsgesprochenen stattfindet. Um so normaler die richtig herum gesprochenen Wörter sind um so größer ist damit auch die Ungewissheit,ob etwas „reverse speech“ ist oder nicht.
        Zudem wäre es auch sehr merkwürdig, wenn man dann keine Fehlbildungen der reverse Speech in der richtigen Reihenfolge hören würde, also etwas, wo man hört, dass er es richtig herum falsch ausspricht, aber falsch rum richtig. Denn das das Gehirn gerade bei reverse Speech immer perfekt arbeitet ist ja sehr unwahrscheinlich, gerade bei schneller Rede müßten reverse Speech Fehler auftauchen.

        „Worauf du wiederum nicht eingehst, ist die Tatsache, dass die Reversale ziemlich klar herausstechen“

        Klar, dass etwas zufällig zusammenpasst ist ja auch selten. und unser Hirn nimmt einen Zusammenhang dann um so deutlicher wahr, wenn es einen konstruieren kann.

        „Und wie gesagt, mindestens eine Studie gibt es“

        Hattest du die schon verlinkt?

        „Wenn es nur Interpretationssache wäre, dann kämen auch bei Geschauspielten Szenen viele Reversale heraus. Das ist aber nicht der Fall.“

        Dann müsste man lange Monologe haben, die relativ frei gesprochen werden. Um so deutlicher die Monologe sind und um so eher es sich um Dialoge handelt um so seltener werden reversals nach meiner Entstehungstheorie auftreten.

        „war überrascht, dass die Reversale (fast alle) in Englisch sind“

        Das ist in der Tat erstaunlich. Schon überprüft, ob diejenigen überhaupt englisch können? Und ob das Englische vielleicht einfach geeignetere Klänge für ein umdrehen hat.

        genauso bei einem Interview, dass ich gerade Transskripiere (vorwärts) und bei dem ich eigentlich Hochdeutsche Reversale erwartet habe und teils mit feinstem, fehlerfreiem Schwyzerdütsch konfrontiert wurde. Die Person ist wohl schon recht lange in der Schweiz.

        Ich habe mir sowieso angewöhnt, erst nach den Reversalen zu suchen, bevor ich mir den Text „richtig“ anhöre, und erst im Kontext mit dem normalen, vorwärtsgesprochenem Text ergibt so manches einen Sinn.

        „Ham sie das geschnallt!“.

        Die Verziehung bietet sich natürlich für reverse Speech nach meiner Entstehungstheorie an.

    • Eher Sinnvoll wären Schauspieler, die Emotional keinen Bezug zum Inhalt haben. Herausgehörte Reversale dürften mit dem Text nichts zu tun haben. Nur wie gesagt, in der Realität ist es so, dass dann eh kaum Reverale zu hören sind.

      • @Sarahblogging

        Ich denke mit den passenden Synchronsprechern, die die computererstellten Texte in verschiedenen Stilen (emotional, sachlich/wie eine Nachrichtensprecher, wie gerade erst ausgedacht) sprechen sollte das Experiment durchführbar sein.

  3. lucia said,

    @sarahblogging:

    Hm, alleine Empathie reicht m.E. dafür nicht aus, dafür braucht es auch emotionale Intelligenz, zumal die der „normalen“ Intelligenz überlegen ist.

    LG;
    Lucia

    PS. Thema ist wohl durch, aber seis drum 🙂

    • Ich überlege gerade, ob man emotionale Intelligenz hier mit dem „Niedrig-SQ“ gleichsetzen kann, den ich im anderen Blog beschrieben habe.

  4. Die Diskussion mit Christian, das Thema finde ich immer aktuell und spannend.


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